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Interview Sepp - 30 Jahre Bergfuchs Graz


Bergfuchs Redaktion
Sepp Steiner Geschäftsführer Graz

Sepp Steiner - Geschäftsführer Graz

Du feierst heuer 30 Jahre Bergfuchs Graz. Blicken wir zurück auf 1996 - was war das für eine Zeit, in der du damals den Bergfuchs eröffnet hast?

Sepp

In den frühen Neunzigern war die Bergsteiger- und Kletter-Community noch wesentlich familiärer und überschaubarer als heute. Jeder kannte jeden. Wir hatten das unglaubliche Glück, die großen Stars der Kletterszene wie Wolfgang Güllich oder die Huber Buam auf Messen und Ausstellungen noch persönlich kennenlernen zu können.

Während die Sportkletterer das Wochendende damit verbracht haben, immer die gleichen Einzelzüge zu üben, bin ich einige Mehrseillängen-Touren geklettert. Auch wenn ich mich schon manchmal gefragt habe, was ich für ein Trottel bin, wenn ich einen ganzen Tag als Seilzweiter beim Putzen einer Neutour, wie z.B. des „Tintenstrichs“ den Dreck am Schädel gekriegt hab. (lacht) Aber was Horich und Gefährten damals gemacht haben – das Klettern sicherer und für Normalbergsteiger erlebbar zu machen, war visionär. Heute muss es schon blöd zugehen, wenn man beim Plaisirklettern einen tödlichen Unfall hat.


Bergfuchs Redaktion

Was hat sich in diesen 30 Jahren wirklich geändert im Bergsport?

Sepp

Dass immer mehr Leute in immer mehr Spielarten des Bergsteigens unterwegs sind, aber miteinander immer weniger reden. Früher hat man sich am Berg, am Fels oder beim Skitourengehen zumindest gegrüßt. Aber das liegt natürlich auch an der Menge an Leuten. Was sich jedenfalls nicht geändert hat: Jeder predigt Toleranz und Akzeptanz, aber kaum jemand setzt das bei sich selbst um. Das ändert sich erst mit zunehmendem Alter. (schmunzelt)


Bergfuchs Redaktion

Wie schaut’s mit den Bergsportprodukten im Vergleich zu damals aus? War früher wirklich alles besser?

Sepp

Überhaupt nicht! Die Ausrüstung war generell schlechter und auch weniger technisch ausgereift. Die „Schlosserei“ war schwer, das Seil auch – der Rucksack hatte gleich mal 15 Kilo. Es war schon auch eine Schinderei. Die Bergsport-Produkte sind im Gesamten um ein vielfaches besser geworden: leichter, langlebiger, flexibler. Wenn die heutigen Produkte so wären, wie vor 30 Jahren, würden wir nix mehr verkaufen.
Der Markenfetischismus war damals aber auch schon ausgeprägt – ich erinnere an die orange Mammut „Extreme“ Jacke. (lacht)

Und dass immer alles teurer wird, stimmt auch nicht. Ich kann mich noch erinnern: Eine Expresschlinge mit mickriger Bruchlast hat damals über 200 Schilling gekostet. Heute, 30 Jahre später, krieg ich eine Top-Schlinge wie die AustriAlpin Rockit um 14 Euro. Das gleiche gilt für Seile, Kletterschuhe und vieles andere – da kriegst du heute in Relation viel mehr Qualität und Funktion zu einem vergleichsweise günstigeren Preis. Der Grund dafür ist natürlich, dass heute viel mehr davon verkauft wird – um ein Vielfaches.


Bergfuchs Redaktion

Was waren für dich die Produkte, die den Bergfuchs als Fachgeschäft definiert haben.

Sepp

Wir haben am 2. Mai 1996 in Graz eröffnet. Und eines der Top-Produkte damals war das Edelweiss Stratos – ein Kletterseil mit spezieller Ummantelung, das erstmals auch einem Kantensturz stand halten konnte. Ein Freund von mir hat sich damals das Seil gekauft und brachte das Seil zwei Wochen später mit zerschnittenem Seilmantel und dem Kommentar ins Geschäft, dass das „Glump“ nichts aushält. Dabei hat es ihm bei genau so einem Kantensturz das Leben gerettet. (lacht)

Andere revolutionäre Produkte aus der Frühzeit des Bergfuchs in Graz waren zum Beispiel der „Nepal Top“ von La Sportiva, der erste Bergschuh mit „modernem“ Design überhaupt, die North Face „Kichatna Jacket“, eine der ersten wirklich vollwertigen 3-Lagen-Gore-Jacken und bei den Skiern der Fischer X-Calibur – mit seinen 74mm Mittelbreite damals eine richtige Powderlatte. Auch die Fritschi „Diamir“, die erste Skitouren- Sicherheitsbindung war so ein Meilenstein.


Bergfuchs Redaktion

Welche denkwürdigen Augenblicke aus 30 Jahren Bergfuchs fallen dir sonst noch ein?

Sepp

Die größte vorstellbare Airbag-Umtauschaktion wegen eines Produktionsfehlers: Damals bin ich quer durch die Steiermark gehetzt und hab bei allen Bergrettungsortsstellen innerhalb einer Woche bei weit über 1000 Airbagrucksäcken die Kartuschen getauscht und den kompletten Rucksack überprüft – ein Vollstress, aber sowas schweißt auch zusammen.

Wir hatten als einer der ersten Bergsportshops in Österreich eine eigene Homepage und waren auch beim Onlineshop ziemlich vorne dabei. Dass wir 2018/19 die gesamte EDV und Warenwirtschaft auf neue Füße gestellt haben, hat uns dann in der Corona-Zeit sehr geholfen und uns ganz neue Möglichkeiten gegeben.

Und natürlich muss ich da auch unsere Flohmärkte nennen, die sich mittlerweile zu einem Fixpunkt in Graz entwickelt haben: Statt unsere Kunden permanent mit Abverkaufsaktionen zu bombardieren, bieten wir ihnen dafür zwei Mal im Jahr die Chance hochqualitative Ware zu Spitzenpreisen zu bekommen.


Bergfuchs Redaktion

Im Rückblick – was sind die Erfolgsfaktoren des Bergfuchs Graz?

Sepp

Unsere MitarbeiterInnen – die Tatsache, dass sie alle Bergsport leben und mit ihrer Kompetenz eine wichtige Säule unseres Betriebs sind. Besonders bedanken, möchte ich mich bei meiner Frau, die mir im Büro immer den Rücken frei gehalten hat, bei meiner rechten Hand Andreas, Infrastrukturminister Gernot, Prokurist Georg und meinem Sohn Matthias, der seit Herbst 2025 zweiter Geschäftsführer ist.

Ein großer Dank gilt auch den Eigentümern von Bergfuchs Wien, Familie Schwenk – 30 Jahre gute Partnerschaft sind keine Selbstverständlichkeit.

Neben unseren Lieferanten, Kooperationspartnern (Polizei, Bergrettung, Alpenvereine, Kletterhallen) geht mein Dank aber vor allem an unsere vielen treuen StammkundInnen!